Was ist Hypnose?
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Und für alle die es erstmal genauer wissen wollen:
Vergessen Sie am besten zunächst mal alles, was Sie bislang über Hypnose gehört oder gesehen haben: 90% davon ist übertriebene Effekthascherei und für die seriöse therapeutische Hypnose irrelevant.
Hypnose bzw. die hypnotische Trance ist nichs anderes als ein Zustand fokusierter Aufmerksamkeit. Wir alle erleben solche Zustände täglich, z.B. beim Autofahren oder beim konzentrierten Arbeiten, wenn wir für eine Weile alles um uns herum vergessen. Diese fokussierte Aufmerksamkeit wird überall auf der Welt auf verschiedenste Weise verwendet und Mittels verschiedenster Techniken hervorgerufen: Meditation, Tai Chi, Yoga, Gebete, Körperreisen, Phantasiereisen, Trance-Tänze uvm.
Man könnte sagen Hypnose ist eine Möglichkeit direkter mit dem Unterbewusstsein zu kommunizieren. Das Bewusstsein tritt dabei in seiner Schutzfunktion ein Stück weit zurück, wird jedoch nicht gänzlich ausgeschaltet. Es ist möglich unter Hypnose bestimmte Fähigkeiten zu aktivieren, wie z.B. das Ausschalten von Schmerzreizen. Manche Erinnerungen, die sonst unter unserem alltäglichen Bewusstsein verdeckt sind, können besser abgerufen werden. In uns schlummernde Fähigkeiten und Talente können aufgespürt und zum Leben erweckt werden. Da unser Unterbewusstsein ohnehin beständig daran arbeitet das zu verwirklichen, was unser Bewusstsein (unsere Gedanken) ihm einflüstert, können wir es mit gut gewählten Suggestionen auf manchmal erstaunliche Weise beeinflussen.
Hypnose ist keine Zauberei, sondern eine Methode um Fähigkeiten abzurufen, die wir ohnehin besitzen.
Ein Hypnotherapeut macht sich diese Möglichkeit zunutze, um zunächst die Aufmerksamkeit seines Klienten so zu steuern, dass das normale Tagesbewusstsein in den Hintergrund tritt und Unbewusstes zugänglich gemacht wird. Dadurch können z.B. Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Rationalisierung oder Somatisierung (ein psychisches Problem drückt sich durch körperliche Beschwerden aus) umgangen werden, oder Erlebnisse erinnert werden die Auslöser bestimmter seelischer Konflikte waren.
Unser Unterbewusstsein hat die Angewohnheit das zu verwirklichen, was wir als wahr erachten. Wir verbringen viele Jahre unseres Lebens damit mehr oder weniger unreflektiert das umzusetzen, was uns als Kindern einprogrammiert wurde (z.B. Glaubenssätze wie “Du bist nichts wert”, “Anderen Menschen kann man nicht trauen” und viele andere mehr). Wenn unser Tagesbewusstsein durch die Hypnose in den Hintergrund tritt, wird das Unterbewusstsein offener für Suggestionen. Es ist dann möglich diese destruktiven “Programme” nach und nach durch bessere zu ersetzen. Dies erfordert ein gewisses Fingerspitzengefühl, denn auch unter Hypnose glauben wir nicht einfach alles was man uns sagt. Ein Klient mit Prüfungsangst der “Du brauchst dich nicht fürchten denn du weißt immer alles” suggeriert bekommt, wird damit vermutlich weniger Erfolg haben. Warum? Ganz einfach: Niemand weiß immer alles. Diese Suggestion wirkt nicht gut, da der Klient nicht an sie glauben kann. Eine bessere Suggestion wäre vielleicht: “Du hast dich gut vorbereitet und wirst bei der Prüfung all dein Wissen genau so wie zuhause auch abrufen können”. Ja, warum auch nicht? Das was daheim klappt muss theoretisch bei der Prüfung genauso möglich sein. Die Spirale negativer Gedanken und Befürchtungen wird gestoppt, stattdessen bekommt das Unterbewusstsein einen konstruktiven Auftrag. Dies wäre eine rein lösungsorientierte Vorgehensweise, die sich weniger damit beschäftigt was diese Problematik verursacht hat. Ob lieber aufdeckend oder lösungsorientiert gearbeitet wird hängt meist vom Therapeuten und seiner Sichtweise ab. Ich halte grundsätzlich beide Vorgehensweisen für sinnvoll.
Weiterhin gibt es Ansätze die davon ausgehen, dass wir alle notwendigen Ressourcen zur Lösung unserer Probleme sowieso bereits in uns tragen. Der Hypnotherapeut oder Hypnose-Coach leitet den Klienten einfach nur in die Tiefentrance und belässt ihn dort für eine gewisse Zeit, ohne weiter zu intervenieren. Auf diese Weise bringt er ihn in Kontakt mit den in ihm schlummernden Fähigkeiten und Ressourcen, er findet seine Lösungen alleine. So zumindest die Theorie.
Ein Hypnotiseur kann aber auch seinen Klienten in der Trance Erfahrungen machen lassen, die ihm in seinem bisherigen Leben gefehlt haben oder die im Moment nicht verfügbar sind. Ein gutes Beispiel dafür ist die Schaffung eines sicheren inneren Raumes, in den der Klient sich zurück ziehen kann, wenn Gefühle von Angst und Unsicherheit als zu heftig empfunden werden.
So weit so gut, Sie sehen es gibt viele interessante Möglichkeiten Hypnose anzuwenden, und wenn Sie einfach “nur” der Entspannung und Besinnung dient (die in unseren hektischen Zeiten viele Menschen oft schmerzlichst vermissen). Wie aber kann man es sich nun vorstellen in Trance zu sein? Viele beschreiben eine tiefe Trance ähnlich wie träumen: Gedanken werden in Bilder umgewandelt, das Unterbewusstsein ist aktiver. Eine hypnotische Trance verläuft wellenartig, man sinkt in sein Kopfkino hinab, wird gelegentlich durch ein äußeres Geräusch oder einen bestimmten Gedanken wieder hoch geholt, lässt sich dann genüsslich wieder hinunter gleiten, hängt seinen Gedanken nach, sieht dabei zu wie innere Bilder entstehen, fragt sich ob man jetzt richtig in Trance ist und rutscht dadurch wieder ein Stückchen hoch… Oft fühlt man sich während der Hypnose gar nicht richtig hypnotisiert. Wie tief man jedoch tatsächlich in Trance war merkt man hinterher. Dann kann es sein, dass statt gefühlter 10 Minuten eine ganze Stunde vergangen ist, oder umgekehrt.
Es ist leider ein hartnäckiges Gerücht (für das hauptsächlich gewisse(nlose) Showhypnotiseure verantwortlich sind), dass man durch Hypnose willenlos der Gnade des Hypnotiseurs ausgeliefert wäre. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung versichern, dass man in der therapeutischen Trance zwar für Vieles offener ist, aber sich gegen als unsinnig empfundene Bilder oder Suggestionen genauso renitent zur Wehr setzen kann, wie man das normalerweise auch täte. Das Ganze funktioniert generell nur wenn man sich bewusst darauf einlässt. Es ist nicht möglich jemanden gegen seinen Willen zu hypnotisieren, oder ihn in der Trance Dinge tun zu lassen, die seinen moralischen Werten widersprächen. Es ist möglich zu lügen oder Fragen einfach nicht zu beantworten, sofern man es möchte. Ob Suggestionen funktionieren hängt grundsätzlich immer von der Bereitschaft des Hypnotisanden zur Mitarbeit und einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung ab.
Obwohl ich damals vor meiner allerersten selbst erlebten Hypnose bereits mehrere Bücher zum Thema gelesen hatte, war bei mir nach wie vor etwas Angst vor dem Unbekannten vorhanden. Ich kann es deshalb gut verstehen, wenn jemand mit Vorbehalten an diese Sache heran geht. Ihr Mut lohnt sich jedoch! Um Ihnen den Einstieg leichter zu machen habe ich eine kleine Selbsterfahrungs-Hypnose für Sie aufgenommen. Das bisherige Feedback lässt mich hoffen, dass auch Sie zumindest ein bißchen verblüfft sein werden…


